Sonntag, 4. Mai 2014

"Autschland d'Amour" / "Der Revisor" ist zu langatmig

Ich halte die Fragen, um die „Autschland d’Amour“ kreist, für enorm wichtig und sehr zeitgemäß. Also: Warum sind wir einerseits eine der reichsten Nationen der Welt, mehren sich andererseits aber die psychischen Probleme der Menschen und die Fälle von Burn Out?  Julia Schubert und Carlos Lobo stellen im Hauptteil, der wie eine glamouröse Oscarverleihung daherkommt und in dem der „Autsch“ vergeben werden soll, eine Unmenge von Fragen, die jeden betreffen: Genüge  ich noch den Anforderungen in meinem Job? Ist mein Job sicher? Welcher Hund passt zu mir? Soll ich mein Kind in eine Schule mit bilingualem Schwerpunkt schicken? Das macht eine Weile Spaß , wird dann aber  überstrapaziert.  Vieles wiederholt sich und wird daher irgendwann langweilig.

Gänzlich aus dem Ruder läuft das Stück im letzten Teil, in dem die beiden Schauspieler als Bier trinkende Zwerge verkleidet sind. Eine gefühlte Ewigkeit lang geben sie irgendwelche wegen der Maske schwer verständlichen Nonsens-Sätze im Stil von „Der Prozentsatz der höheren Schulbildung im Saarland liegt bei“ oder etwas in dieser Art von sich. Die Aussage ist klar: Wir alle werden mit einer Vielzahl von Informationen vollgestopft und wissen überhaupt nicht mehr, wie wir all das einordnen sollen, geschweige denn wie wir unser eigenes Verhalten entsprechend anpassen sollen.  Nur: Das kapieren die Zuschauer auch ohne die ständigen Wiederholungen. Der Schlussapplaus hält sich in bescheidenen Grenzen.

Beim zweiten Stück dieser Doppelpremiere, „Der Revisor“ von Nicolai Gogol, ist die Vorlage aus dem Jahre 1836 genial: Ein Revisor aus der Hauptstadt kommt und versetzt die Oberen einer Stadt in helle Panik. Sie versuchen, alles Übel zu übertünchen und geben dem vermeintlichen Revisor schließlich sogar Geld. Ein Stück, das immer noch sehr aktuell ist und viel über Themen wie Schein und Sein oder Obrigkeitshörigkeit aussagt. Jeder habe doch Dreck am Stecken, behauptet der Text. Im Schauspiel Dortmund wird das rein sprachlich, aber ohne Handlung umgesetzt. Die sechs Schauspieler, die den Text synchron sprechen, sitzen auf Stühlen in einer Reihe. Das macht es für den Zuschauer etwas anstrengend und langatmig. Ich bewundere immer die schauspielerischen Leistungen bei einem derartigen Synchronsprechen. Es bedarf einer unglaublichen Genauigkeit, um das wirklich hinzukriegen. Aber ich kann das als Zuschauer nicht recht genießen. Es spricht mich einfach nicht an.


Beide Stücke gehören zur Reihe „Stadt der Angst“. Das dritte Stück, das dazugehört, hatte ebenfalls am Samstag Premiere. Es heißt „4.48 Psychose“. Das werde ich mir später einmal ansehen.  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen