Freitag, 26. Februar 2016

Schauspiel im Megastore: „Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ macht Spaß

Szene aus "Die Liebe in Zeiten der Glasfaser"
Foto: Hupfeld
Mit Skype und Fernbeziehungen befasst sich das höchst unterhaltsame und gelungene Theaterstück „Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ des Schauspiels. Uraufführung war am Donnerstag im Megastore.

Thomasz (Peer Oscar Musinowski) und Antonia (Julia Schubert) sowie Helena (Friederike Tiefenbacher) und Wolf-Adam (Uwe Schmieder) führen Fernbeziehungen, weil sie berufliche Chancen nutzen wollen. Vielleicht haben sie ja das schönste Jahr ihres Lebens vor sich. Doch schnell kehrt Ernüchterung ein: Die jeweiligen Berufe entpuppen sich als doch nicht ganz so toll wie erwartet, und eine Fernbeziehung über Skype ist letztlich doch nicht das Wahre. Missverständnisse und die fehlende körperliche Nähe führen zu Beziehungsproblemen.

Regisseur Ed. Hauswirth stellt die Einsamkeit des Einzelnen augenfällig dar, indem er die Schauspieler in vier Glaskästen steckt. Ihr Skypen wird per Videotechnik für die Zuschauer überdimensional groß auf einen weißen Vorhang projiziert.

Beeindruckend in der Premiere war, wie gekonnt Julia Schubert und Peer Oscar Musinowski eine technische Panne mit spontanem Impro-Theater überspielen. Als der Laptop in ihrem Glaskasten ausfällt und sich offenbar nicht mehr reparieren lässt, wechselt Julia Schubert schließlich in den Kasten von Friederike Tiefenbacher und spielt dort weiter. Doch wie sie bis dahin das Stück ohne die Technik am Laufen gehalten hat, ist großartig.

Und Friederike Tiefenbacher hängt sich wie immer mit ganzer Kraft bis zur Schmerzgrenze in ihre Rolle. Sie spielt eine Schauspielerin, die für eine internationale Theaterproduktion nach Polen geht. Dort soll sie eine Nazi-Hure spielen, die von Europa vergewaltigt wird. Diese Szene gibt ihr Gelegenheit, wie ein Hund hechelnd über den Boden zu kriechen oder sich in wilder Pein auf einem Tisch zu wälzen. Stark, welche Bühnen-Präsenz sie dabei ausstrahlt.

Zugleich nimmt das Stück auf diese Weise sich selbst und das gesamte Theater augenzwinkernd aufs Korn. Solche Brüche hat Hauswirth gleich mehrfach eingebaut. Schon gleich zu Anfang erklären die Schauspieler, welche Rollen sie spielen, sodass für den Zuschauer die Illusion allgegenwärtig bleibt.

Die Videotechnik – in diesem Falle per Skype – gibt den Schauspielern einmal mehr die Möglichkeit, durch eine kleine Veränderung der Mimik, die riesengroß auf die Leinwand übertragen wird, Gefühlsveränderungen auszudrücken. Uwe Schmieder ist hier ein Meister seines Fachs. Herrlich auch, wie er zwischendurch im Monster-Kostüm über die Bühne tobt oder wie feenhaft er am Ende im durchsichtigen Plastikkleidchen wirkt.

„Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ ist ein amüsantes Stück, bei dem zwar viel Technik zum Einsatz kommt, das aber die agierenden Schauspieler in den Mittelpunkt stellt. Sehr empfehlenswert!

An dieser Produktion beteiligt sind außerdem:

Bühne: Michael Sieberock-Serafimowitsch

Kostüme: Mona Ulrich

Musikalische Leitung: Tommy Finke

Dramaturgie: Alexander Kerlin

Video-Konzept: Mario Simon

IT-Konzept: Lucas Pleß

Outside-Eye: Georg Klüver-Pfandtner

Licht: Sibylle Stuck

Regieassistenz: Wiebke Rüter

Bühnenbildassistenz: Noemi Baumblatt

Kostümassistenz: Vanessa Rust

Video-Operator: Joscha Richard

Inspizienz: Ralf Kubik

Soufflage: Ginelle Lindemann

Regiehospitanz: Philipp Rose

Dramaturgiehospitanz: Aylin Kreckel

Andreas Schröter

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