Mittwoch, 16. März 2016

23-jährige Violinistin betört im 7. Philharmonischen Konzert das Publikum

Caroline Goulding
Foto: www.carolinegoulding.com
Diesmal verlangten die Philharmoniker ihrem Publikum einiges ab. Schostakowitschs Spätwerk aus dem Jahre 1971, die 15. Sinfonie, die nach der Pause erklang, mag zwar mit ihren Rossini- und Wagner-Anklängen oder dem ungewöhnlich leise ausklingenden Finale ihre Besonderheiten und durchaus auch Reize haben, aber insgesamt ist es doch ein etwas monotones, sprödes Stück Musik, das den Zuhörern einiges an Langmut abfordert.

In dem von Oleg Caetani dirigierten 7. Philharmonischen Konzert, das ein osteuropäisches Konzert war, gab’s vor der Pause Dvorak und Prokofjew. Dvorak hat Shakespeares „Othello“ 1891/92 vertont und bringt in seiner von den Dortmunder Philharmonikern gekonnt umgesetzten Ouvertüre sehr schön die emotionalen Gegensätze von Liebe und bis zum Tod eskalierender Eifersucht zum Ausdruck, um die es in diesem Drama geht. Schade, dass diese wunderschöne Musik bereits nach einer Viertelstunde zu Ende ist.

Die Solistin des Abends, die erst 23-jährige Violinistin Caroline Goulding, kam im zweiten Stück, Prokofjews 2. Violinkonzert, zum Einsatz, und ihr Auftritt wurde zum Höhepunkt des Abends. Mit viel Einfühlungsvermögen brachte sie die melodische und lyrische Musik des Komponisten aus dem Jahre 1935 zum Klingen. Caroline Goulding, die heute in New York lebt, stammt aus einer Musikerfamilie, wie sie im Vorgespräch „Wir stimmen ein“ mit Orchestermanager Michael Dühn erklärte, sodass auch ihr Weg als Musikerin vorgezeichnet war. Schon im Alter von dreieinhalb Jahren begann sie, Geige zu spielen. Heute tut sie das mit einer General Kyd Stradivarius aus dem Jahre 1720. Prokofjews 2. Violinkonzert habe sie abwechselnd geliebt und gehasst, sagte sie. In einem Wettbewerb, an dem sie zwar selbst nicht teilgenommen, den sie aber hautnah miterlebt habe, habe sie das Stück zigmal hintereinander gehört. Das habe zu dieser ambivalenten Haltung gegenüber dieser Musik geführt, die sie in Dortmund erstmals vor Publikum aufführte – und das mit großem Erfolg. Die Zuhörer entließen sie erst nach einer Zugabe.

Im 8. Philharmonischen Konzert wieder unter dem Dirigat von GMD Gabriel Feltz erklingt am 19. und 20. April, jeweils um 20 Uhr im Konzerthaus, Musik von Weber, erneut Dvorak und César Franck.

Andreas Schröter

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