Sonntag, 17. April 2016

Schauspiel: "Der Goldene Schnitt" bringt Konflikte von Migranten auf den Punkt

Szene aus "Der Goldene Schnitt"
Foto: Szekely
Wie westlich modern möchte ich leben? Wie viel Tradition aus der Heimat meiner Vorfahren möchte ich in meinem heutigen Leben in Dortmund-Hörde bewahren? Das sind die Kernfragen, mit denen sich das Theaterstück „Der Goldene Schnitt“ befasst, das am Samstag Premiere im Schauspielstudio hatte. Und das sind (sicherlich) zugleich Fragen, die sich viele Migranten hierzulande stellen. Autor und Regisseur ist Tugsal Mogul, ein Theatermacher und zugleich ein Facharzt für Anästhesiologie/Notfallmedizin. Akteure auf der Bühne sind Jasmina Music als Judith und Murat Seven als Ibrahim. Mit vielen Gästen feiern die beiden ausgelassen die Beschneidung ihres Sohnes Ismail. Die Gäste, die von weither angereist sind, werden begrüßt, es wird getanzt, gesungen und getrunken.

Doch bei Vater Ibrahim schleichen sich nach und nach Zweifel ein. Darf er seinem Sohn, der doch auch ein Recht auf körperliche Unversehrtheit hat, eine solche Zeremonie zumuten? Hat er, Ibrahim, nicht selbst damals gelitten, als es bei ihm soweit war? Judith sieht’s gänzlich anders: Was hat sie denn noch von ihren familiären Wuzeln, wenn ihr nun auch noch solche Traditionen genommen werden? Es kommt zum Streit zwischen dem Paar.

Tugsal Mogul begeht nicht den Fehler, dieses ernste Thema allzu ernst auf die Bühne zu bringen. Es gibt viel Humor, Gesangs- und Tanzeinlagen, bei denen auch Kind Nima Majedzadeh kräftig mitmischt. Der Kleine, der Sohn Ismail darstellt, wird festlich geschmückt im roten Mercedes-Cabrio auf die Bühne gefahren und darf sein Talent als Tänzer und Gitarrist zeigen.

Insgesamt ist „Der Goldene Schnitt“ eine kurze (70 Minuten) und unterhaltsame Theaterproduktion, die die Konflikte und inneren Zerrissenheiten, mit denen Migranten in Deutschland zu tun haben (dürften), sehr gut auf den Punkt bringt.

Andreas Schröter

www.theaterdo.de

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