Sonntag, 24. April 2016

Stadtgespräche im Museum: 2016 geht es um Grenzen und Identitäten Europas – MKK und TU kooperieren

Von links: Prof. Dr. Walter Grünzweig,
 Dr. Brigitte Buberl, Dr. Gisela Framke,
 PD Dr. Karl Lauschke , Isolde Parussel, Prof. Dr. Wolfgang Sonne.
Foto: Stadt Dortmund
Europa scheint aus den Fugen zu geraten: Nationalismen breiten sich aus, und das Selbstverständnis, eine gemeinsame Geschichte zu teilen, schwindet. Was macht Europa aus? Was verbindet seine Länder, was trennt sie? Ist Europa auch eine Werte- oder nur eine Wirtschaftsgemeinschaft? In der siebten Auflage der Reihe „Stadtgespräche im Museum“ suchen Referentinnen und Referenten unterschiedlicher Disziplinen nach Antworten auf diese Fragen.

„Europa. Grenzen und Identitäten“ ist Oberthema der Ringveranstaltung 2016, für die das Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) und die TU Dortmund kooperieren. Die Vorträge finden an ausgewählten Donnerstagen (s.u.) um 18 Uhr in der Rotunde des MKK statt (Hansastraße 3). Der Eintritt ist frei. Eine hauseigene FM-Anlage steht kostenlos zur Verfügung.

Die Blickwinkel auf das Thema sind fundiert, überraschend, kritisch und decken ein breites interdisziplinäres Spektrum ab: Der Bogen reicht von Geschichte, über Hoch- und Popkultur, Naturwissenschaft, Politik bis zu Theologie. Die renommierten Fachleute aus dem In- und Ausland stehen nach ihren Vorträgen dem Publikum jeweils in moderierten Gesprächen zur Verfügung.

Schon seit 2010 veranstalten das MKK und die TU Dortmund die „Stadtgespräche im Museum“ zu jährlich wechselnden Themen. Diesmal beleuchten zehn Expertinnen und Experten verschiedener Disziplinen Europa – darunter Historiker und Religionswissenschaftler, Architekten und Politikwissenschaftler u.a. aus Brüssel, Salzburg, Berlin und Chemnitz. In den vergangenen Jahren ging es u.a. um die Themen „Heimaten“ (2015), „FOODWAYS – Vom Kulinarischen und seiner Moral“ (2014), „Die Magie des Geldes“ (2013) oder „Frieden und Krieg“ (2012).

Planung und Ansprechpartner:

für das MKK Dortmund: Dr. Brigitte Buberl, Dr. Gisela Framke, Isolde Parussel

für die TU Dortmund: Prof. Dr. Walter Grünzweig, Prof. Dr. Wolfgang Sonne, TU Dortmund

sowie PD Dr. Karl Lauschke, Ruhr-Universität Bochum

Themen und Termine

28. April, 18 Uhr: Das Europa der Religionen

Prof. Dr. Volkhard Krech, CERES Centrum für Religionswissenschaftliche Studien, Ruhr-Universität Bochum

Der Vortrag behandelt die Frage, inwieweit Europa von religiöser Vielfalt geprägt ist. Nach einem historischen Überblick wird die gegenwärtige Lage beleuchtet. Abschließend wird – im Sinne eines „Europa der Regionen“ – die Situation im Ruhrgebiet als einem der größten Ballungsgebiete Europas in den Blick genommen.


12. Mai, 18 Uhr: Der Eurovision Song Contest und Europa

Dr. Ingo Grabowsky, LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim

Seit 1956 versammelt der Liedwettbewerb der Eurovision Millionen Menschen vor den Bildschirmen. Ein gesellschaftlich irrelevanter Schlagerwettbewerb – oder prägt der „Grand Prix“ unser Bild von Europa? Hat er politische Relevanz? Trägt er seit dem Mitwirken der mittel- und osteuropäischen Länder gar zum Gefühl der kulturellen Differenz bei? Anhand einiger künstlerischer Kulminationspunkte der langen Geschichte dieses Wettbewerbs wagt der Vortrag einen Blick auf Europa durch die Brille des Schlagers.


19. Mai, 18 Uhr: Das Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel

Dr. Andrea Mork, Haus der Europäischen Geschichte Brüssel

Was verbindet Europa? Das Konzept des Hauses der Europäischen Geschichte basiert auf der Überzeugung, dass die großen umwälzenden Ereignisse, die den Kontinent geprägt haben, grenzüberschreitende Entwicklungen gewesen sind, die sich in sehr verschiedenen Ausprägungen manifestiert haben. Das in Brüssel geplante neue Museum soll ein Speicher des europäischen Gedächtnisses werden, der die verschiedenen Varianten eines europäischen Bewusstseins in seiner Vielfalt zur Darstellung bringt.


9. Juni, 18 Uhr: Migration in Europa

Jun.-Prof. Dr. Birgit Glorius, Institut für Europäische Studien, TU Chemnitz

Migration nach Europa und die Mobilitätsmuster innerhalb Europas waren stets von Phasen der Kontinuität und des Wandels geprägt und führten zu unterschiedlichen Praktiken der Integration. Der Vortrag gibt einen Überblick über die bedeutendsten Migrationsetappen und stellt exemplarisch dar, wie sich Integrationsbedingungen, -muster und unser Blick auf Einwanderung und die Einwanderer verändert haben.


16. Juni, 18 Uhr: Leitbild Europäische Stadt. Lebensweise und ästhetisches, soziales und wirtschaftliches Versprechen
Hon.-Prof. Dr. Hans Stimmann, Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen, TU Dortmund

Nach der Ernüchterung über die gebaute Wirklichkeit der schnell wechselnden Leitbilder für die Stadtentwicklung der Nachkriegsjahrzehnte gibt es seit einigen Jahren eine Art Besinnung auf die Tradition und Erfahrung der langlebigen europäischen Stadt. Priorität haben nun Straßen und Plätze als öffentliche Räume, die durch individuelle Häuser gebildet werden. Ist dieses neue, an der Tradition orientierte Leitbild im Zeitalter digitaler Kommunikation und internationalisierter Lebensformen realistisch oder nur ein weiteres politisches Versprechen einer besseren, überschaubaren und städtischen Umwelt? Der Referent behandelt das Thema u.a. mit Beispielen aus seiner Berliner Erfahrung als Senatsbaudirektor.


30. Juni, 18 Uhr: Infections Destroying America: Anti-Europeanism in the United States

Joost Baarssen, Institut für Anglistik und Amerikanistik, TU Dortmund

The existence of American Anti-Europeanism has long been neglected, although it has played a significant role in American history. This lecture will explain how different versions of Anti-Europeanism have been used to foster American identities and consider the functions and rhetorical uses of a negative idea of Europe in the United States. How have negative perceptions of Europe shaped American experiences in the past and today? Is there a history to Anti-Europeanism in the United States? And how can „Europeanization“ be perceived as something negative?

Der Vortrag findet in englischer Sprache mit schriftlicher deutscher Zusammenfassung statt; die Diskussion kann in deutscher oder englischer Sprache geführt werden.

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