Mittwoch, 8. Juni 2016

Hörder Hochofenanlage ist Denkmal des Monats Juni 2016

Seit einigen Jahren ist die ehemalige Hochofenanlage
 im Stadtbezirk Hörde über einen Erlebnispfad zugänglich.

Bild: NRW.URBAN/Christian Nielinger
Die Denkmalbehörde der Stadt Dortmund stellt die Hochöfen mit dem Besucherweg auf PHOENIX West als Denkmal des Monats Juni 2016 vor.

Der strahlende Sonnenschein schien die ehemalige Hochofenanlage auf PHOENIX West in gutes Licht rücken zu wollen, als Denkmalpfleger, Architekten und die Eigentümervertreter sich das Industriedenkmal anschauten. Während die Fachleute unten über Konzepte der "Entfeinerung, Sicherung und Erweiterung der Begehbarkeit" diskutierten, "schwebten" über ihnen die Höhenretter der Dortmunder Feuerwehr, die in der Anlage regelmäßig Übungen durchführen.

Seit einigen Jahren ist die ehemalige Hochofenanlage im Stadtbezirk Hörde über einen Erlebnispfad zugänglich, und die Besucherzahlen belegen die Attraktivität. Die Neugierde ist groß und dem ist Rechnung getragen worden. In diesem Jahr werden wesentlich mehr Führungen angeboten als in den vergangenen Jahren. Vorgedacht wird auch eine zukünftig mögliche Erweiterung des Erlebnispfades. Grund genug für die Denkmalbehörde der Stadt Dortmund die Hochöfen mit dem Besucherweg auf PHOENIX West als Denkmal des Monats Juni 2016 vorzustellen.
Ein Blick zurück

Die Geschichte der Anlage reicht in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, als der Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein 1852 mit dem Bau eines ersten Hochofenwerkes westlich der damals noch nicht zu Dortmund gehörenden Stadt Hörde begann und 1854 seinen Betrieb aufnahm. Damals existierte bereits östlich des Hörder Stadtkerns die zugehörige Hermannshütte an der Stelle des heutigen PHOENIX Sees. Der Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein zählte damit zu den ersten Unternehmen, das aus einer Hand Roheisen erzeugte, Stahl produzierte und weiter zu Produkten verarbeitete.

Nach Inbetriebnahme des ersten Hochofens auf PHOENIX West folgten weitere Hochöfen, so dass schon wenige Jahre später mit über 1.000 Arbeitern Roheisen erzeugt werden konnte. Das Geschäft boomte, technische Pionierleistungen und Modernisierungen führten in den folgenden Jahrzehnten zu einem rasanten Aufstieg und zu der bis heute ablesbaren bemerkenswerten baulichen Entwicklung des Werkes. Mit der beginnenden Stahl-Krise verschwanden nach und nach die Hochofenanlagen. Existierten 1973 noch 88 Hochofenanlagen im Ruhrgebiet, so waren es 1980 noch 80 und 1987 nur noch 46 Anlagen. 1998 endete mit dem letzten Abstich die knapp 150-jährige Tradition der Roheisenproduktion auf PHOENIX West.

Ein neues Kapitel

2001 und 2004 wurde die brachliegende Industrieanlage PHOENIX West durch NRW.URBAN im Treuhandauftrag des Landes für den Grundstücksfonds Ruhr erworben. Die Eintragung in die Denkmalliste erfolgte am 13. Februar 2002. Vorausgegangen waren zahlreiche Diskussionen über Abbruch, Erhalt, Sicherung und Präsentation der Anlage. Seither hat sich viel getan.

Seit der Öffnung und Präsentation der Anlage über einen Besucher- und Erlebnispfad vor ein paar Jahren sind Begehrlichkeiten gewachsen. Die Besucher möchten immer tiefer in die technischen Anlagen eindringen. Dem Wunsch kann nicht immer entsprochen werden, weil Sicherheitsaspekte dem entgegenstehen. Die Fachleute schauen nun, was getan werden muss, um noch mehr zeigen zu können. Wo und wie können gefährdete Bauteile gesichert werden bzw. Teile in der Anlage, die keinen denkmalpflegerischen Wert besitzen, entfernt werden? Die Fachleute sprechen hier von Entfeinerung. Zudem wird ein Pflegekonzept für den Erhalt der bereits ertüchtigten Anlagenteile erarbeitet. Weitere Teilmaßnahmen sollen bereits in 2017/2018 umgesetzt werden.
Prominent

Gegen Ende des Ortstermins erfuhren die Fachleute von der Eigentümervertreterin, dass sich aktuell der Hochofen besonderer Beliebtheit bei den Besuchern erfreut. In ihm war der Fallschirm versteckt, der in einer Tatort-Folge aus Dortmund eine wichtige Rolle spielte. Schmunzelnd verließen Eigentümer, Planer und Denkmalpfleger über den Skywalk die Anlage und genossen den prächtigen Ausblick auf die Hochofenkulisse vor blauem Himmel.

Führungen über den Skywalk mit Hochofenaufstieg bietet DORTMUNDtourismus an.
Denkmal des Monats
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