Sonntag, 28. August 2016

Cityring-Konzert "Groove-Symphony": Blitze bei Lohengrin

Cityring-Konzert am Samstagabend
Meine Lieblingsstelle im Cityring-Konzert am Samstagabend mit den Dortmunder Philharmonikern und Moonbootica – der so genannten „Groove Symphony“ – war Wagners Lohengrin-Ouvertüre. Es hatte etwas Erhabenes und Dramatisches, auf dem Friedensplatz diese wunderschöne Musik zu hören und dabei den Sternenhimmel zu sehen, der seltsamerweise noch von einigen entfernten Blitzen eines abziehenden Gewitters durchzuckt wurde. Das kann sich kein Dramaturg besser ausdenken. Selbst die üblichen Rettungswagen-Sirenen, der Dortmunder Samstagsabend-Partylärm, der gelegentlich herüberschwappte, und die gegenüber dem Konzerthaus (natürlich) verminderte Open-Air-Akustik-Qualität vermochten dem nichts anzuhaben.

Aber sonst? Ich bin offen gestanden nicht sicher, ob das Konzept, klassische Musik mit modernen Elektro-Sounds zu verbinden, tatsächlich so gut ist, wie es uns die Veranstalter weismachen wollen. Klassikfans könnten finden, dass die Moonbootica-Songs gelegentlich etwas seelenlos klingen. Und Moonbootica-Fans, die wohl am Samstag im bei weitem nicht ausverkauften Konzert in der Mehrheit waren, sehnten in den Klassik-Passagen wohl manchmal nur das Ende herbei. Am Auffälligsten war das, als der wunderbare zweite Satz aus Beethovens Siebter plötzlich in Disco-Beats überging und ein großer Teil des Publikums in hellen Jubel ausbrach. Wie kann man da jubeln, dürften sich Klassikfans fragen. Da müsste man doch eher weinen.

Zu loben sind die Sänger Siri Svegler, Milan Jasper und Jack Beauregard, die für stimmungsvolle Momente in den manchmal etwas eintönigen Elektro-Passagen sorgten, die Philharmoniker wurden an diesem Abend souverän von Ingo Martin Stadtmüller dirigiert. Moonbootica ist ein Duo, bestehend aus dem Hamburger DJ- und Produzenten-Team Oliver Kowalski und Tobias Schmidt. Der Geiger Miki Kenkenj moderierte den Abend – und tat es manchmal etwas zu langatmig und wenig witzig.

Erwähnenswert sind die Kapriolen des Wetters: Wegen eines heraufziehenden Gewitters und einsetzenden Regens unterbrach Orchestermanager Michael Dühn das Konzert außerplanmäßig für eine halbe Stunde und zog die Pause vor. Die Zuschauer flüchteten in die Berswordt-Halle, kamen aber schnell wieder heraus, als sich herausstellte, dass das befürchtete Unwetter wohl doch weitgehend ausblieb. Und so konnte die Veranstaltung nach dieser Unterbrechung doch noch geordnet und weitgehend ohne Nässe über die Bühne gehen.

Andreas Schröter




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