Freitag, 9. September 2016

Kinder- und Jugendtheater: "Infinity" bietet viel Stoff zum Diskutieren

Szene aus "Infinity". Foto Hupfeld
Endlich geht‘s nach der Sommerpause wieder los, denken in diesen Tagen viele Theaterfans – zum Beispiel mit der Premiere von „Infinity“ am Donnerstag im Kinder- und Jugendtheater an der Sckellstraße. Das Drei-Schauspieler-Stück, das das KJT Kindern ab 12 Jahren empfiehlt, ist eine Auftragsarbeit für den 1955 geborenen englischen Autor Charles Way sowie eine Koproduktion mit dem Consol Theater Gelsenkirchen und dem Theatr Iolo in Wales.

Helen (Jennifer Ewert) fliegt im Jahre 2033 zum Mars, während ihre Zwillingsschwester Sarah (Johanna Weißert) und deren Tochter Eloise (Emilia Haag) auf dem heimischen Bauernhof bleiben. Via Skype oder einem ähnlichen Kommunikationssystem haben die beiden weiterhin Kontakt zu Helen. Während Sarah der Reise von Beginn an kritisch gegenübersteht, sind Eloise und Hellen Feuer und Flamme. Das ändert sich, als Komplikationen auftreten ...


Rasant

Die drei Schauspielerinnen bringen ihren Stoff unter der Regie von Andrea Kramer in nur gut einer Stunde sehr rasant über die Bühne. Die besteht im Wesentlichen aus mehreren großen Gummibällen. Mal lässt Eloise die Bälle vor Wut wild hüpfen, mal malt Sarah eine Kuh verkehrt herum auf einen der Bälle, um damit darzustellen, dass das Tier gestorben ist. Witzig!

Sogar ein alter Trecker hängt vom Bühnenhimmel. Er bildet einen schönen Kontrast zur modernen Raumfahrt im Jahre 2033, womit bereits ein Teil des Themas angerissen wäre: Einfaches (Land-)Leben mit viel menschlicher Nähe kontra Ausschöpfung des technisch Machbaren mit großem Risiko für Leib und Leben.

Viel Diskussionsstoff

Das birgt sicherlich eine Menge Diskussionsstoff für Schüler im Philosophie-Unterricht. Aktuelle Fragen schließen sich an wie „Müssen wir nicht alles tun, um uns neue Lebensräume zu erschließen, wenn die Ressourcen auf der Erde begrenzt sind?“ Aber zu welchem Preis? Oder auch: Können Skype-Kontakte wirklich echte Treffen, bei denen man sich umarmen kann, ersetzen? Und – sehr schön dargestellt: Kann Spinatersatz aus der Tube ein Stückchen Erdbeertorte mit Sahne frisch vom Bauernhof ersetzen? Auch die üblichen Mütter-Töchter-Konflikte, die Sarah mit der zwölfjährigen Eloise hat, sind ein Nebenthema.

Langer Applaus

Am Ende gab‘s den verdienten langen Applaus für eine gelungene Premiere.

Insgesamt ein Stück, an dem Schüler der sechsten bis achten Klassen sicherlich ihre Freude haben werden – und über das sie anschließend noch lange nachdenken und diskutieren können.

Andreas Schröter

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