Donnerstag, 20. Oktober 2016

2. Philharmonisches Konzert: Gruselgeschichten, hohe Wellen und Dvorak

Bo Skovhus
Foto: Balmer & Dixon
Der dänische Bariton Bo Skovhus stand im Mittelpunkt des 2. Philharmonischen Konzertes am Dienstag und Mittwoch im Konzerthaus. Skovhus sang im Mittelteil des Abends fünf Schubert-Lieder, die von verschiedenen Komponisten mit Orchestermusik ergänzt worden waren. Er möge es nicht, sagte Skovhus im Vorgespräch „Wir stimmen ein“ mit GMD Gabriel Feltz, dass diese Form der Kleinkunst – eigentlich Kammermusik – heute manchmal so überhöht werde und der Sänger irgendwo auf einem Podium stehe. Im Grunde sei es doch so, dass der Sänger den Menschen nur eine Geschichte erzähle, die mit Musik unterlegt sei, nichts weiter.

Das blieb diesmal allerdings frommer Wunsch, denn die Kehrseite der zum Teil wunderschönen und wunderbar passenden Orchestrierung war, dass Skovhus Gesang nur schwer zu verstehen war, obwohl er ihn beinahe akzentfrei und gut akzentuiert vortrug. Man hatte also beim 25 Minuten langen „Taucher“ Mühe zu folgen, mit welchem Tauchgang der arme Jüngling nun gerade kämpfte, um den König zu überzeugen, ihm seine Tochter zur Frau zu geben. Entschädigt für diese Verständnisprobleme wurden die Zuhörer mit dem perfekten Ineinandergreifen von Gesang und Musik. Die Orchestrierung zu diesem Schubert-Lied, das auf eine Ballade von Schiller zurückgeht, hat Skovhus übrigens selbst bei dem noch lebenden dänischen Komponisten Karl-Aage Rasmussen in Auftrag gegeben (und dafür bezahlt). Es sei ihm wichtig gewesen, so Skovhus, dass die Musik dem Stil Schuberts entspreche. Höhepunkt dieses Konzertteils war jedoch „Der Erlkönig“ (Musik: Hector Berlioz), bei dem so manchem Zuhörer ein wohliger Schauer des Gruselns über den Rücken gelaufen sein dürfte.

Dazu passte thematisch perfekt eine andere Gruselgeschichte – Der fliegende Holländer, der nur alle sieben Jahre an Land gehen darf, um eine Frau zu finden, die ihn von seinem Fluch erlöst. Die Philharmoniker spielten die Ouvertüre aus der Wagner-Oper zu Beginn des Konzertes. Und wie oft bei Wagner ist auch dieser Auftakt eine Art Mini-Oper, die viele Motive aus dem gesamten Werk vorwegnimmt. Es machte einfach Spaß, GMD Gabriel Feltz, der diesen Part wieder ohne Noten dirigierte, und den Philharmonikern zuzuhören, wie sie die Wellen anrollen und die Gischt sprühen ließen. Herrliche Musik, toll umgesetzt von den Musikern!

Das gilt uneingeschränkt auch für die 7. Sinfonie von Antonin Dvorak, die nach der Pause an der Reihe war. Feltz betonte im Vorgespräch, dass diese Sinfonie seine liebste von Dvorak sei und dass er sich freuen würde, wenn sie noch viel öfter als bisher auf den Spielplänen der Orchester landen würde.

Ganz am Ende des Konzerts am Mittwoch verabschiedeten sich die Philharmoniker von dem Violinisten Alf Hoffmann, der dem Orchester über 39 Jahre angehörte und nun in den Ruhestand geht. Hoffmann sagte, er sei immer gerne Teil des Teams gewesen – und ergänzte unter dem Lachen des Publikums: „na ja, fast“.

Andreas Schröter

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