Sonntag, 6. November 2016

Ästhetisch gelungen: "A Clockwork Orange" im Theater im Depot

Dixon Ra und "Alex"
Der Stanley-Kubrick-Streifen „A Clockwork Orange“ (1971), der auf dem gleichnamigen Science-Fiction-Roman von Anthony Burgess (1962) basiert, gilt heute als einer der interessantesten Filme der Filmgeschichte. Nun haben sich die Kulturbrigaden unter Regie von Rada Radojcic an den nicht ganz einfachen Stoff gewagt. Premiere war am Samstag im Theater im Depot.

Kurz zum Inhalt: Der jugendliche Mörder Alex wird im Gefängnis einer Gehirnwäsche unterzogen. Sie führt dazu, dass er künftig Übelkeit bei jeglicher Form von Gewalt empfindet, macht ihn aber gleichzeitig zu einem willenlosen Wrack. Der Stoff stellt ethische Fragen wie „Darf man den freien Willen eines Menschen brechen, wenn es der Verbrechensbekämpfung dient?“ Der Film stieß in den 70er-Jahren vielfach auf Ablehnung, galt als gewaltverherrlichend und erhielt die Altersfreigabe „ab 18“.

Was an der Inszenierung der Kulturbrigaden vom ersten Moment an auffällt, ist die schrille, liebevolle und gelungene Kostümierung der jugendlichen Akteure. Damit setzt Rada Radojcic ihren eigenen unverwechselbaren Stil fort, der zuletzt auch in „Alice“ beim Theaterfestival Favoriten 2016 zu bewundern war. Einige der Figuren sind ausstaffiert wie Käthe-Kruse-Puppen und wirken dadurch besonders süß, zart und zerbrechlich. Das schafft einen starken Kontrast zu den Gewalt-Szenen. Ästhetisch gelungen. Den gleichen Effekt haben die lebensbejahende, euphorische 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven und der fröhliche Gene-Kelly-Song „I’m singing in the rain“, mit denen die Gewalt unterlegt ist. Das kommt auch in Buch und Film vor.

Die Schauspieler der Kulturbrigaden mussten für diese Produktion einen schwierigen Text lernen – und haben das gut gemacht –, denn Alex und seine Freunde bedienen sich einer Kunstsprache, bestehend aus einem Mix aus russischen und englischen Ausdrücken sowie einer stellenweise sehr gespreizten Sprache. Luft nach oben ist dagegen sicherlich noch bei den schauspielerischen Leistungen einiger Akteure. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen: Es handelt sich um Jugendliche, die noch am Anfang ihres künstlerischen Schaffens stehen.

„A Clockwork Orange“ von Rada Radojcic ist eine vergleichsweise stark durchchoreographierte Produktion, in der sich die Schauspieler in vielen Szenen im Gleichtakt nach vorgegebenen Schrittfolgen bewegen. Auch das meistern sie gut. Als Gast wirkt der Musiker Dixon Ra an Schlagzeug und Saxophon mit. Besonders mit dem Schlagzeug unterlegt er die Szenen und stellt das Klopfen an Türen oder auch Schläge in den Gewaltszenen akustisch dar. Das schafft Intensität.

Andreas Schröter

Mitwirkende: Amelie Braun, Ronahi Kahraman, Mika Kuruc, Helen Gierhake, Annika Hohoff, Felix, Sophie X, Dramaturgie: Jens Wachholz

Weitere Vorstellungen:
SO 06.11.2016 um 18 Uhr
SA 26.11.2016 um 20 Uhr

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