Montag, 7. November 2016

Ein Tipp für die Weihnachtszeit: "Hänsel und Gretel" im Opernhaus

Tamara Weimerich (Gretel), Ks. Hannes Brock (Hexe),
 Ileana Mateescu (Hänsel). Foto: Anke Sundermeier
Mit der Wiederaufnahme von Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ ist am Sonntag im Opernhaus die Weihnachtszeit angebrochen – auch wenn die meisten Dortmunder das offenbar noch anders sahen, wie die noch nicht besonders gut gefüllten Reihen zeigten.

Dabei ist diese zauberhafte Inszenierung von Erik Petersen, die im November 2015 Premiere hatte, in jeder Hinsicht gelungen.


Sie entführt uns für gut zwei Stunden aus dem (vielleicht) tristen Dortmunder Alltag mit Vorweihnachtsstress und Nieselregen in eine zauberhafte Märchenwelt voller herrlicher Musik und zauberhafter Bilder. Diese Produktion würde wegen ihres schier grandiosen Bühnenbilds (Tatjana Ivschina) sogar dann einen Besuch lohnen, wenn ansonsten rein gar nichts passierte.

Aber es passiert was: Im ersten Akt beobachten wir Hänsel (Ileana Mateescu), Gretel (Tamara Weimerich) und ihre Eltern (Almerija Delic und Sangmin Lee) in einem Häuschen, das so urgemütlich wirkt wie das Haus der Weasleys in Harry Potter. Trotz der augenscheinlichen Armut der Familie möchte man am liebsten die Bühne erklimmen und sich in eines der Betten kuscheln. Optischer Höhepunkt der Inszenierung war für mich nicht die Hexenverbrennung ganz am Ende, sondern das Ende des zweiten Aktes, wenn das Sandmännchen (Vera Fischer) die Kinder unter Mithilfe von in leuchtende Gewänder gehüllte Engel vor einer atemberaubenden Waldkulisse in den Schlaf singt. Kitschig? Klar – und wie. Aber auch traumhaft schön. Kleiner Gag: Eines der mit Moos überwucherten Waldwesen, die diese Szene bereichern, hält sich in der Pause in dem kleinen Innengarten des Opernhauses auf und klopft von außen an die Scheibe – sehr zur Freude der vielen Kinder.

Nach der Pause und im dritten Akt hat Kammersänger Hannes Brock als zuerst zuckersüße, dann doch recht böse Hexe seinen diabolischen und gelungenen Auftritt. Und auch der Opernkinderchor der Chorakademie darf ran. Die jungen Mitglieder stellen die Kinder dar, die nach dem Tod der Hexe von Hänsel und Gretel befreit werden. Optisch hätte ich mir für die letzte Szene in der Hexenküche allerdings etwas gewünscht, das mehr zu den zauber- und märchenhaften Bildern zuvor passte. Stattdessen hat dieses Bühnenbild eher etwas von dem nüchternen neonlichtbeschienen (woher hat die Hexe Strom?) Arbeitsplatz von Professor Börner im Münster-Tatort als von einem Hexenhaus.

Ein Wort zur Musik: Man merkt, dass Engelbert Humperdinck ein glühender Wagnerianer war. Seine Vertonung des Grimmschen Märchens hat viele wunderschöne Stellen, die an Wagner erinnern und die von GMD Gabriel Feltz und den Dortmunder Philharmonikern gewohnt präzise aus dem Orchestergraben gebracht werden. Und dass Dortmunds Sänger immer eine Bereicherung für jede Inszenierung sind, ist nicht erst seit „Hänsel und Gretel“ bekannt.

Andreas Schröter

www.theaterdo.de

1 Kommentar:

  1. Ja, genau diese "kitschige Szene" und die mit dem Taumännchen hatten mich in der letzten Spielzeit ebenfalls verzaubert. Da war Frau Weimerich das Taumännchen. Damals war Fritz Steinbacher die Hexe, sehr sehenswert. Und die donnernde Stimme von Sangmin Lee als Vater war wieder mal gewaltig.

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