Sonntag, 27. November 2016

Oper: "Zauberflöte" bietet eine grellbunte Optik

Almerija Delic (Dritte Dame), Morgan Moody (Papageno),
 Emily Newton (Erste Dame), Joshua Whitener
 (Tamino), Ileana Mateescu (Zweite Dame)
Foto: Theater Dortmund
Tamino und Papageno sind wieder auf Freiersfüßen. Dortmund hat eine neue Zauberflöte. Und die Mozart/Schikaneder-Oper kommt diesmal mit schrillbunten Bildern wie aus einem Comic und einem Sarastro-Schloss wie in Disney World daher. Umjubelte Premiere dieser Neuinszenierung von Stefan Huber im ausverkauften Opernhaus war am Samstag.

Die Optik ist insofern das, was an dieser Produktion zuerst hervorzuheben ist. Man weiß gar nicht, welches der unglaublich detailreichen Kostüme – zum Beispiel der „Drei Damen“ (Emily Newton, Ileana Mateescu und Almerija Delic) – man zuerst bewundern soll. Toll, was die Kostümabteilung des Theaters nach Vorgaben von José Luna da zuwege gebracht hat!

Doch Stefan Huber arbeitet gekonnt mit Kontrasten. Tamino (Joshua Whitener) kommt im Pfadfinder-Look daher, Pamina (Ashley Touret) zunächst in einem Fetzen von Unterrock. Die Inszenierung nimmt die beiden, deren Liebe füreinander doch so arg leicht entflammbar ist, auf diese Weise ein wenig auf die Schippe. Solche Parodien tun dem über 220 Jahre alten Uraltstoff mit seinem indiskutablen Frauenbild und seiner Verherrlichung einer doch angeblich so fortschrittlichen Freimaurer-Loge, die sich aber andererseits Sklaven hält, ausgesprochen gut. Ähnliches gibt’s noch an anderen Stellen. Der „Böse Mohr“ Monostatos (Kammersänger Hannes Brock) hat ausgerechnet ein weiß geschminktes Gesicht, und als die *Frei*maurer per Handzeichen ihren *freien* Willen bekunden sollen, ob sie nun Tamino in ihre Kreise aufnehmen wollen, tun sie es, indem sie zunächst schauen, wie sich denn wohl der Nachbar verhält. Schön auch, dass die Freiheitsstatue oben auf Sarastros Gruselburg steht. Ein Seitenhieb auf das Trump-Amerika?

Doch man geht nicht wegen des hanebüchenen Inhalts in die Zauberflöte. Man tut es wegen der herrlichen Musik. Gesanglich besonders hervorzuheben sind Marie-Pierre Roy als Königin der Nacht mit ihrer so bekannten Kiekser-Arie „Der Hölle Rache“, Morgan Moody als unbekümmerter Papageno und – einmal mehr – Karl-Heinz Lehner als Sarastro. Bemerkenswert sind auch die Auftritte der drei Jungs vom Knabenchor der Chorakademie, Joshua Krahnefeld, Vincent Schwierts und Nick Esser. Das muss man erstmal bringen, sich als vielleicht 12-Jähriger vor 1200 Menschen auf die Bühne zu stellen, um dann seine gar nicht mal so kleine Rolle fehlerfrei zu spielen und zu singen. Alle Achtung!

Es gefällt mir auch gut, dass Stefan Huber die Dortmunder Philharmoniker unter dem Dirigat von GMD Gabriel Feltz nicht im Orchestergraben versteckt. Er hat den Boden des Grabens etwas anheben lassen, sodass die Musiker während der gesamten Aufführung gut sichtbar sind. Damit erweist Huber der Musik in diesem Werk die Ehre, die ihr gebührt.

Die Zauberflöte ist bekannt für ihre ständig wechselnden Bühnenbilder (Stichwort: Maschinenoper), sodass die Technik im Opernhaus alle Hände voll zu tun hat. Einmal mehr ist es beeindruckend zu sehen, was mit Licht und Umbauten hinter den Kulissen alles möglich ist. Am Anfang fällt der getöteten Schlange ein Auge halb herunter. War das eine (winzige) Panne, oder sollte das den Tod des Tieres symbolisieren?

Andreas Schröter


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