Dienstag, 6. Dezember 2016

Schauspiel im Megastore: „Furcht und Elend des Dritten Reiches" vor der Premiere

Szene aus "Furcht und Elend des Dritten Reiches"
Foto: Szekely
Sascha Hawemann inszeniert Bertolt Brechts Szenencollage „Furcht und Elend des Dritten Reiches" für das Schauspiel. Premiere ist am Samstag (10.12.), 19.30 Uhr, im Megastore an der Felicitasstraße in Hörde.

Als Bertolt Brecht in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts damit begann, aus „Zeitungsnotizen und Augenzeugenberichten“ Szenen über das Privatleben der Deutschen im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs zu schreiben, ahnte er noch nicht, von welchem Wert seine Szenen auch heute, 60 Jahre nach seinem Tod sein würden.

Bereits im Exil lebend fängt Brecht darin einen Geist ein, der zeigt, wie ein vergiftetes politisches Klima auf Alltag und Privatleben übergreift: Wir begegnen beispielsweise einem Amtsrichter, der zu jeder Rechtsbeugung bereit ist, wenn er nur wüsste, welche politisch am bedenkenlosesten ist, ohne dass er persönliche Konsequenzen befürchten muss. Oder einem SA-Mann, der in scheinbar privater Runde einen Arbeitslosen im Spiel provoziert, um ihn aufs Glatteis zu führen – aber wo hört das Spiel auf und fängt der Ernst an? Oder einer jüdischen Frau unmittelbar vor ihrer Flucht aus Deutschland: Sie verabschiedet sich „auf Reisen“ – doch Freunde und selbst ihr Mann wissen längst Bescheid und: spielen mit. Oder Eltern, die aus lauter Angst davor ihre Meinung zu sagen, fürchten, dass ihr eigener Sohn sie verraten könnte. Das sind nur einige Szenen, die Bertolt Brecht zu seinem Kaleidoskop Furcht und Elend des Dritten Reiches zusammengestellt hat, das er ursprünglich programmatisch „Die Angst“ betitelte: Die einzelnen Szenen spiegeln den Zustand einer totalitären Gesellschaft, in der sich Gedanken und Überzeugungen zu einem Klima der Angst zusammenballen und Vorsicht und Verrat sich ihren Weg bahnen.

Bertolt Brecht stellte mit seiner Collage die Frage danach, wo die Anfänge einer politischen Entwicklung liegen, die wie wir heute wissen, so weitreichende Konsequenzen hat. Gibt es heute wieder Tendenzen und Entwicklungen, die uns an scheinbar vergangene Zeiten erinnern? Neuerlich scheint sich ein Klima der Angst zu entwickeln, das Populismus und Teile des Journalismus bereitwillig befeuern. Furcht und Elend des Dritten Reiches klingt wie ein Echo vergangener Tage, das seinen Widerhall im Jetzt findet: So sah es damals in unserem Land aus – und wie heute?

Es inszeniert Sascha Hawemann, der in der vergangenen Spielzeit bei „Eine Familie (August: Osage County)“ im Schauspielhaus Regie führte. Auf der Bühne stehen Andreas Beck, Raafat Daboul, Frank Genser, Bettina Lieder, Carlos Lobo, Uwe Schmieder, Friederike Tiefenbacher, Merle Wasmuth sowie der Musiker Xell. Die Bühne entwirft Wolf Gutjahr, die Kostüme Ines Burisch, Dramaturg ist Dirk Baumann.

Premiere: 10.12.2016 um 19:30 Uhr im Megastore
weitere Termine: 16., 21. Dezember, 14. 19. Januar

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