Sonntag, 29. Januar 2017

Kino im U: austroPott feiert gelungene Premiere von "Gut gegen Nordwind"

Katja Heinrich und Harald Schwaiger in
"Gut gegen Nordwind". Foto: Mario Perricone
Die Theatergruppe austroPott ist nach einer Pause von rund eineinhalb Jahren wieder da. Samstag war Premiere von „Gut gegen Nordwind“ im ausverkauften Kino im U. In dem Stück, das auf dem gleichnamigen Debütroman von Daniel Glattauer aus dem Jahre 2006 basiert, geht es um zwei Menschen, die lediglich über den Austausch von E-Mails eine Beziehung aufbauen.

Emmi Rothner (Katja Heinrich) möchte ihr Abo der Zeitschrift „Like“ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike (Harald Schwaiger). Die beiden beginnen, sich täglich zu schreiben, nähern sich immer mehr an und müssen sich irgendwann die Frage stellen: Sollen wir uns treffen?

„Gut gegen Nordwind“ ist eine leichte, amüsante und intelligente Boulevardkomödie, die die Grenzen zwischen Nähe und Distanz auslotet. Kann man sich per E-Mail-Kontakt verlieben? Und reicht das auf Dauer? Oder muss man doch das Gefühl der Sicherheit und Unverbindlichkeit irgendwann aufgeben, das ein möglicher Vorteil einer solchen von Beziehung ist? Und was käme danach? Eine richtige Liebesbeziehung oder der Abbruch des Kontaktes?

austroPott besetzt in Dortmund eine Nische: Die Gruppe spielt leichtere Komödien – aber mit großem schauspielerischen Können. Schließlich gehörte Harald Schwaiger unter Michael Gruner zum Ensemble am Schauspielhaus Dortmund – Katja Heinrich war unter anderem am Grillo Theater Essen engagiert. In ihrer neuesten Produktion, die mit 2 Stunden und 15 Minuten Spieldauer (inklusive einer Pause) bisher die längste im austroPott-Repertoire ist, müssen die beiden Schauspieler Unmengen an Text lernen. Sie bringen die beiden Charaktere glaubhaft und überzeugend über die Bühne. Zum Ende hin hätten möglicherweise kleinere Kürzungen das Stück noch etwas kompakter gemacht.

Übrigens: austroPott ist ein bisschen anders als andere Theaterensembles: Während sich normalerweise die Schauspieler vor einer Vorstellung in irgendwelchen Katakomben oder in der Maske auf ihre Rollen einstimmen, läuft Harald Schwaiger strahlend durchs Foyer, schüttelt Hände, spricht mit diesem und jenem oder organisiert noch zusätzliche Stühle. Genauso verbringt er die Pause. Das alles wirkt ungemein bodenständig und sympathisch. Und weil austroPott seine Wurzeln im Schauspiel Dortmund hat, umweht die Premieren dieser Gruppe immer ein leichter Hauch der alten Gruner-Ära, die mittlerweile schon fast sieben Jahre zurückliegt. Aus dem damaligen Ensemble war Kammerschauspielerin Barbara Blümel genauso anwesend wie Michael Kamp, der auch zu den Gründungsmitgliedern von austroPott gehört, oder Michaels Gruners frühere rechte Hand, Dirk Struß. Souffleuse ist Gitta Kessler, die ebenfalls über 20 Jahre am Theater Dortmund gearbeitet hat.

Fazit: Wer einen leichten, amüsanten und unbeschwerten Theaterabend erleben will, sollte sich Karten für „Gut gegen Nordwind“ besorgen.

www.austropott.de

Andreas Schröter

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