Freitag, 24. Februar 2017

Oper und KJT verbinden mit "Hamlet - Sein oder Nichtsein" Sprechtheater und Gesang

Szene aus "Hamlet - Sein oder Nichtsein" mit
Andreas Ksienzyk, Fabio Lesuisse und Bettina Zobel.
 Foto: OHG
Junge Menschen an das Genre Musiktheater heranführen – das ist Ziel einer Gemeinschaftsproduktion von Oper und Kinder- und Jugendtheater: „Hamlet – Sein oder Nichtsein“ hatte am Donnerstag Uraufführung an der Sckellstraße. Timo Jouko Herrmann hat die „Kammer-Jugendoper“ komponiert, das Libretto stammt von André Meyer, Regie führte Ronny Jakubaschk.

Zunächst mutet es ungewöhnlich an, einen Teil der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Ingo Martin Stadtmüller dort zu sehen, wo sonst nur (Sprechtheater-) Stücke für Kinder und Jugendliche über die Bühne gehen. Doch – um es gleich vorweg zu sagen – der Mix aus Musik, Gesang und Schauspiel hat durchaus seinen Reiz – vor allem, in den Szenen, in denen Hamlet (Fabio Lesuisse) singt und sein Gegenpart, Onkel Claudius (Andreas Ksienzyk), spricht. Auf diese Weise wird die unüberbrückbare Kluft zwischen den beiden noch stärker herausgearbeitet. Und die Philharmoniker verstehen es, für die richtige Grundstimmung zu sorgen. Das gilt mit dumpfen Trommelschlägen bereits für den Einlass, wenn das eigentliche Stück noch gar nicht läuft.

Stark vereinfacht


Inhaltlich ist die gut 70 Minuten lange Produktion eine stark gekürzte Fassung des Shakespearschen Hamlet-Themas. Vor dem mit Schwarzlichteffekten aufgepeppten Bühnenbild (Annegret Riediger), das im Wesentlichen aus dem Urnengrab von Hamlets Vater und einem neongrellen Holzgerüst besteht, suhlt sich der Titelheld in seiner Trauer und seinen Gelüsten auf Rache. Unterstützung in Sachen Gesang erhält er von Ophelia (Anna Lucia Struck) und von Mitgliedern des Opernchores. Sprechtheaterrollen haben Claudius‘ Frau Gertrud (Bettina Zobel) und Ophelias Vater Polonius (Rainer Kleinespel). Die Jungen singen, die Alten reden.

Düster


Inhaltlich ist das Stück naturgemäß arg düster. Hamlet fuchtelt lange mit einer Pistole herum, und man fragt sich, ob er am Ende in einem Amoklauf alle sonstigen Figuren erschießt oder nicht. Unklar bleibt im Gegensatz zum Original, ob Claudius wirklich für den Tod seines Bruders verantwortlich ist. Vielleicht bildet sich der wild pubertierende Hamlet das alles ja bloß ein und ist demnach ein Fall für den Psychiater. 

Ich halte diese Produktion insgesamt für gelungen, habe aber die Befürchtung, dass sie möglicherweise für Erwachsene interessanter sein könnte als für Jugendliche, von deren Lebenswirklichkeit die Kunstform Oper und auch das wichtigste Hamlet-Thema 
 Rache – doch arg weit weg sind.

Goldene Brücken


Obwohl: Herrmann baut seinem jungen Publikum eine Brücke, indem er ein einzelnes Lied mehrmals wiederholen lässt. Dadurch hat es größere Chancen, Zugang zum Gehör von Jugendlichen zu finden, die sich mit Operngesang weniger auskennen. Und ein Junge, der sich von der Erwachsenenwelt unverstanden fühlt, dürfte dem einen oder anderen jungen Zuschauer denn vielleicht doch bekannt vorkommen.

Ob das reicht, müssen die künftigen Aufführungen zeigen, in denen dann auch wirklich vor allem Jugendliche sitzen. Die Premiere mit ihrem üblichen Premierenpublikum – und dem durchaus langen Applaus – ist hier nur bedingt ein Maßstab.


Andreas Schröter

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