Montag, 27. März 2017

Matthäus-Passion in St. Reinoldi: Bachchor und Ballett arbeiten zusammen

Dortmunder Bachchor
Am Donnerstag, 30. März 2017, findet um 19:30 Uhr die Premiere von Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion in der St. Reinoldi Kirche statt. Die Besonderheit der Kooperation des Ballett Dortmund mit dem Dortmunder Bachchor besteht darin, dass Bachs Musik hier um das theatrale Element des Tanzes ergänzt wird.

Johann Sebastian Bach führte die von ihm komponierte Matthäus-Passion zum ersten Mal im Nachmittagsgottesdienst am Karfreitag 1729 in der Leipziger Thomaskirche auf. 

Als textliche Grundlage dienten Bach die Kapitel 26 und 27 des Matthäusevangeliums in der Übersetzung Martin Luthers. Der Librettist C. F.. Henrici, genannt Picander, ergänzte die Bibelverse durch kommentierende und betrachtende Rezitative, Arien und Chöre.

An entscheidenden Stellen hat Bach selbst Strophen aus bekannten Passionschorälen eingefügt. Musikalisch hebt sich die Matthäus-Passion vor allem durch die konsequent durchgeführte Doppelchörigkeit von allen anderen Werken dieser Gattung ab. Die eigens erarbeitete Choreographie von Ballettdirektor Xin Peng Wang nimmt sich in besonderer Weise der Arien und rahmenden Chöre an. Die musikalische Leitung hat Reinoldikantor Klaus Eldert Müller.

"Bach", gesteht Dortmunds Ballettdirektor Xin Peng Wang, "beschäftigte mich bereits sehr lange. Es ist nicht so einfach, mit dieser Musik umzugehen. Sie lässt sich nicht einfach in Choreographie übertragen. Man muss zuerst ihr Wesen erkennen. Bach hat im Unterschied zu seinen Zeitgenossen nicht explizit für den damals ausschließlich höfischen Tanzbedarf geschrieben. Selbst wenn er in seinen Suiten Sätze mit tänzerischen Bezeichnungen versieht, so ist das lediglich eine formale Angelegenheit. Aber Bach hat Musik für den Tanz der Seelen geschrieben."

In der Matthäus-Passion zeigt Bach den Menschen Jesus Christus, dessen Ansichten auf Widerstand bei den Machthabern stoßen. Bach lässt Christus´ Angst miterleben, die Hoffnungslosigkeit, den Schmerz, auch das Gefühl von Verlassenheit in der Stunde des Todes. Er beleuchtet Jesus aber nicht nur von innen heraus, er wirft aus verschiedenen Perspektiven Blicke auf ihn. Er lässt Anteilnahme an seinem Schicksal bekunden, aber auch blankes Unverständnis, Hass und Verachtung gegen ihn laut werden. Er gibt den Anhängern wie den Gegnern eine Stimme. Es gibt nahezu schizophrene Passagen, in denen der Chor zugleich für und wider Jesus spricht. Die Menschheit ist zerrissen. Sie spürt, dass der Weg, den Jesus einschlägt, der richtige ist, aber sie zögert, den ersten Schritt zu tun.

Infos und Karten unter 0231/55 57 91 11 oder

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen