Montag, 6. März 2017

Oper: Die konzertante Fledermaus mit einem genialen Kniff

Szene aus der konzertanten Fledermaus
Foto: Björn Hickmann
Mal ehrlich: Die Strauß-Operette „Die Fledermaus“ hat im Jahre 2017 doch nur noch ihre Aufführungsberechtigung, weil die Musik so schön süffig ist und man fast jeden Song mitsingen kann. Die Handlung dagegen – sorry für die drastischen Worte – ist der pure Schwachsinn. Für Opernhäuser ergibt sich daraus durchaus ein Problem: Wie kann man einen derart hanebüchenen Stoff für ein Publikum von heute einigermaßen ansprechend verpacken? Bei ihrer konzertanten Fledermaus-Aufführung – Premiere war am Sonntag im Opernhaus – hat das Dortmunder Musiktheater dafür eine fast schon geniale Lösung gefunden (szenischen Einrichtung: Jens-Daniel Herzog und Alexander Becker).

Sie hat einfach einen Ruhrpott-Komödianten – in diesem Fall Fritz Eckenga – als zweite Handlungsebene hinzufügt, der das Geschehen auf sehr angenehme Weise bricht. Und so läuft Eckenga Bier schlürfend im Hausmeister-Kittel über die Bühne, schleppt absurde Requisiten wie ein Vogelhäuschen und einen ausgestopften Raubvogel durch die Gegend, plaudert im Ruhrpott-Slang mit Publikum, Sängern und Musikern, erläutert die Handlung und macht sich gleichzeitig über sie lustig. Selten dürfte ein Publikum bei einer Fledermaus-Aufführung so gelacht haben wie diesmal. Etwas pathetisch ausgedrückt: Da wird aus einem Kopfschütteln, das man sonst wohl für die Handlung übrig gehabt hätte, ein befreiendes Lachen (Nebenbei bemerkt: Das mit der zweiten Handlungsebene hat auch schon in dem aktuell laufenden Abraham-Musical „Die Blume von Hawaii“ hervorragend funktioniert.)

Auch der konzertante Stil mit den von Motonori Kobayshi dirigierten gut aufgelegten Philharmonikern auf der Bühne und ansonsten nur wenig Requisite trägt auf ebenso angenehme Weise dazu bei, dass man nicht allzu sehr auf den Alkohol-, Verkleidungs- und Verwechslungswahnsinn der dekadenten Vergnügungsgesellschaft im Wien des 19. Jahrhunderts achtet.

Dem Musikgenuss steht diese Art der Inszenierung in keiner Weise entgegen. Emily Newton als Rosalinde ist hier einmal mehr der Star. Aber auch Ashley Thouret als Kammermädchen Adele und Tenor Joshua Whitener als Alfred beeindrucken. Kleiner, aber netter Gag am Rande: Joshua Whitener singt in der Pause italienische Opernarien und unterhält damit das Publikum zusätzlich.

Ileana Mateescu gibt einen herrlich blasierten Prinz Orlofsky und Hannes Brock wie schon in einer Aufführung vor einigen Jahren in der Mielitz-Ära den Eisenstein.

Und so konzertant ist die Aufführung dann am Ende auch gar nicht. Es gibt viel Sekt auf der Bühne (der bestimmt nur Wasser ist), ein prunkvolles Sofa, ein als Partygesellschaft ausstaffierter Opernchor und schöne Kostüme für die Sängerinnen (für Emily Newton das aus der Blume von Hawaii).

Weil die Sänger ihre Texte teilweise vom Blatt ablesen, wirkt die Inszenierung allerdings stellenweise etwas unfertig. Aber anders kann man es wohl von einer Produktion, die nur zweimal gespielt wird, nicht erwarten. Man fragt sich übrigens, warum das so ist. Diese Produktion hätte durchaus noch mehr Vorstellungen verdient. Und genügend Publikum würde sie wohl auch ziehen. Vielleicht nehmen die Verantwortlichen sie ja in der nächsten Spielzeit noch einmal auf den Spielplan.

Die zweite ebenfalls schon sehr gut gefüllte Vorstellung in dieser Spielzeit läuft am Samstag (11.3.) um 19.30 Uhr.

Andreas Schröter

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