Mittwoch, 8. März 2017

Oper: Giuseppe Verdis "Otello" vor der Premiere

Lance Ryan. Foto: Musica Management
Giuseppe Verdis Oper "Otello" hat am Sonntag, 26. März 2017, um 18 Uhr Premiere im Opernhaus. In der Regie von Opernintendant Jens-Daniel Herzog und unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz werden Tenor Lance Ryan als Otello und die Sopranistin Emily Newton als Desdemona zu sehen sein.

Ein Taschentuch und viel böser Wille genügen, um eine Welt zum Einsturz zu bringen. Der Admiral Otello hat einen gerissenen Feind, seinen Fähnrich Jago. Während alle Welt Otello für seine militärischen Erfolge feiert und ihm auf Zypern einen triumphalen Empfang bereitet, kennt Jago die schwache Seite des großen Mannes, seine Angst, anders zu sein als die anderen, und seinen Mangel an Vertrauen selbst den liebsten Menschen gegenüber.

Eine plumpe Intrige, für die Jago nicht mehr braucht als ein verlorenes Taschentuch von Otellos Frau Desdemona, hebt alle Sicherheiten aus den Angeln, auf denen Otellos Welt gegründet ist. Nur zu gerne glaubt er jedem Hinweis, Desdemona könne sich mit seinem Hauptmann Cassio eingelassen haben. Desdemonas Liebe zu ihrem Mann, aber auch ihre Naivität ist so groß, dass sie verständnislos vor seinem Verdacht steht und so nichts dafür tut, das blutige Ende der Tragödie zu verhindern. Otello fällt seinen eigenen Dämonen zum Opfer und reißt Desdemona mit in den Abgrund.


Verdi, der sich nach Aida (1871) von der Opernbühne zurückziehen wollte, schuf auf Drängen seines Librettisten Boito in den letzten 15 Jahren seines langen Lebens noch seine eindrucksvollen Alterswerke "Otello" und "Falstaff". Sie sind der Ausdruck seiner lebenslangen Beschäftigung mit der Dramatik William Shakespeares, die mit Macbeth (1847) begonnen hatte. Verdi findet bei Shakespeare die gewaltigen, unaufhaltsam rasenden Leidenschaften, die es seiner Musik erlauben, alle Tiefen der menschlichen Gefühle auszuloten. "Otello" ist das Drama des Misstrauens, das immer beim mangelnden Vertrauen in sich selbst beginnt und von dort aus eine tödliche Kraft entfaltet.

Shakespeares Othello inszenierte Jens-Daniel Herzog zum ersten Mal vor einigen Jahren am Nationaltheater Mannheim. „Verdi funktioniert anders als Shakespeare“, so Herzog. Der Unterschied ist viel größer als das im Italienischen fehlende „H“ im Namen des Admirals: „Was bei Verdi in allen seinen Stücken so spannend ist, ist der Wechsel von öffentlichen und privaten Szenen. Das hält die Dynamik der Handlung in Gang, aber gleichzeitig wird deutlich, dass sich Öffentliches und Privates in allen Bereichen gegenseitig durchdringen“. Ein Mann wie Otello ist eben nie nur der Liebende oder nur der militärische Führer, sondern immer beides zugleich. Für Herzog ist Otello der Fremde, der Andere, den eine Gesellschaft braucht, wenn sie in Schwierigkeiten gerät und jemand die Drecksarbeit machen muss. "Otello wird vom Volk, also bei uns vom Chor, erst zum Helden gemacht, um dann später umso grausamer wieder aus seiner Höhe herabzustürzen. Der Genuss und der Schauder für die Zuschauer liegt darin, dabei zuzusehen, wie jemand sich in eine immer verzweifeltere Lage manövriert und keinen Ausweg mehr findet.“

Karten gibt es an der Tageskasse im Opernhaus, telefonisch unter 0231/50 27222 oder auf www.theaterdo.de

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