Mittwoch, 5. April 2017

7. Philharmonisches Konzert stellte avantgardistische Musik in den Mittelpunkt

GMD Gabriel Feltz. Foto: Magdalena Spinn
GMD Gabriel Feltz bewies Mut, indem er ein avantgardistisches Werk aus dem Jahre 1970 – das Cellokonzert „Tout un monde lointain ...“ von Henri Dutilleux – ins Zentrum des 7. Philharmonischen Konzertes im Konzerthaus stellte. Das Werk, das wie viele andere dem russischen Cello-Altmeister Mstislaw Rostropowitsch gewidmet ist, stellt höchste Ansprüche an das Orchester und den Solo-Cellisten – in diesem Falle Wolfgang Emanuel Schmidt. Für das Publikum jedoch ist dieses Stück Musik gewöhnungsbedürftig, arbeitet es doch vielfach mit Scharr-Geräuschen, die sich dann bestenfalls in Melodiefetzen verwandeln.

Gabriel Feltz, der das Konzert gewohnt engagiert dirigierte, betonte im Vorgespräch „Wir stimmen ein“, wie sehr er gerade dieses Werk schätze. Hier tut sich dann oft eine Kluft zwischen Profimusiker und Publikum auf. Der Profi sehnt sich nach Abwechslung von der ewig gleichen Klassik, das Publikum liebt weiterhin die eingängigeren Melodien. Fazit: Werden solche Ausflüge in die Neue Musik sparsam eingesetzt, ist das durchaus okay und sogar lehrreich, übertreiben sollten es die Philharmoniker damit jedoch nicht, denn diese Art von Musik befriedigt letztlich dann doch vor allem „special interest“.

„Tout un monde lointain ...“ geht übrigens auf die literarische Vorlage „Die Blumen des Bösen“ (Les Fleurs du Mal), also den berühmten Gedichtband von Charles Baudelaire zurück. Solist Wolfgang Emanuel Schmidt, der seinem Instrument überraschende Klänge entlockte, war ein Schüler Mstislav Rostropovitchs und hat sogar Henri Dutilleux persönlich kennengelernt.

Wesentlich eingängiger, auch wegen seines wiederkehrenden Themas, war das Eröffnungsstück des Abends, „Der Wassermann“ von Antonin Dvorák. Es geht zurück auf ein hochdramatisches und am Ende grausames Märchen des tschechischen Dichters Karel Jaromír Erben. Darin rächt sich ein in den Tiefen eines Gewässers lebendes Wesen für die Untreue einer jungen Frau zu ihm mit dem Tod des gemeinsamen Kindes. Kennt man die Geschichte in groben Zügen – Gabriel Feltz hatte sie im Vorgespräch kurz skizziert –, lässt sie sich ausschließlich anhand der Musik sehr gut verfolgen.

Das Konzert endete nach der Pause mit der Debussy-Komposition „La Mer“, wie der Dutilleux nicht unbedingt ein Gassenhauer der klassischen Musik.

Fazit: ein Konzert, bei dem sich die Philharmoniker einmal mehr auf Topniveau präsentierten. Die Musikauswahl hingegen dürfte nicht allen Besuchern gefallen haben.

Andreas Schröter

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