Donnerstag, 20. April 2017

Dortmunder Philharmoniker: Mephisto und Faust im Konzerthaus

Szene aus "Faust" mit Emil Jannings
Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Einmal mehr wurde das Konzerthaus am Mittwochabend zum nahezu ausverkauften Kinosaal. Nach „Nosferatu“, „Metropolis“ und „City Lights“ in den Vorjahren gaben die von GMD Gabriel Feltz dirigierten Dortmunder Philharmoniker ihr viertes Stummfilmkonzert. Friedrich Wilhelm Murnaus „Faust“ mit Emil Jannings als Mephisto und Camilla Horn als Gretchen aus dem Jahre 1926 stand diesmal an. Besonderheit: Das Orchester spielte nicht die Originalmusik von damals, sondern eine Neufassung von Bernd Schultheis aus dem Jahre 1999. Schultheis war beim Konzert anwesend und zeigte sich beim Schlussapplaus, zu dem ihn Feltz auf die Bühne geholt hatte, dankbar und ergriffen.

Seine Musik bietet den Zuschauern eine Art Sehhilfe. Sie überspitzt ironische und humorvolle Passagen – etwa in der Flirt-Szene mit Mephisto und der Muhme Marthe –, kann aber auch poetisch, verspielt oder hochdramatisch werden. Die Musik konterkariert arg melodramatische und aus heutiger Sicht nur noch schwer erträgliche Stellen des Films. Ulrich Wünschel von der Europäischen Filmphilharmonie nannte das in der Einführung ein „positives Stören“. Ein besonders wirkungsvolles Stilmittel zum Herausstellen besonderer Handlungssituationen ist die Stille: Wenn Faust den verhängnisvollen Mephisto-Vertrag mit seinem eigenen Blut unterschreibt, hören die Zuschauer bis auf das obligatorische Husten aus dem Publikum – nichts. Übrigens, und auch das erklärte Wünschel in der Einführung: Der Film basiert nicht in erster Linie auf der bekannten Goethe-Adaption des Faust-Stoffes, sondern vielmehr auf einer Volkssage aus dem 16. Jahrhundert.

Die Philharmoniker bringen die so abwechslungsreiche Musik unter dem lässig und souverän im schwarzen T-Shirt dirigierenden Feltz gewohnt akzentuiert und sicher über die Bühne. Ein langer Schlussapplaus ist die logische Folge.

Genau wie die Hollywoodhits ziehen die Stummfilmkonzerte jede Menge junges Publikum ins Konzerthaus. Die Philharmoniker arbeiten dabei sehr erfolgreich gegen ihren Ruf, nur ältere Menschen für ihre Arbeit interessieren zu können. Und das ist schön.


Andreas Schröter

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