Sonntag, 25. Juni 2017

Die "Internationale Ballettgala XXV" besticht durch Vielseitigkeit

Adiarys Almeida und Taras Domitro
Als ich im Programmflyer sehe, dass die „Internationale Ballettgala XXV“ 3.15 Stunden dauert, erschrecke ich und befürchte einen zähen Abend. Doch dann kommt alles ganz anders: Nach einem gefühlten Fingerschnippen ist die Show vorbei und der wie immer locker plaudernde Moderator Hannes Brock kündigt zu meinem Entsetzen die letzte Nummer an. Schade, ich hätte eigentlich noch ein paar Stunden so sitzen und weiter zuschauen können.

Die Abwechslung macht’s: Im hochkarätigen von Ballettchef Xin Peng Wang und seinem Manager Tobias Ehinger zusammengestellten Programm gibt’s Klassisches, Modernes, Lustiges, Akrobatisches und Romantisches. Ein Höhepunkte folgt dabei auf den nächsten: zum Beispiel der Auftritt des erst 13-jährigen Gavin Morales, der mit seinem (älteren) Partner Joseph Gatti vom Orlando Ballet eine atemberaubende Michael-Jackson-Nummer auf den Tanzboden legt, oder der Bühnenabschied des langjährigen Ersten Tänzers am Dortmunder Ballett Mark Radjapov – seine Pas de Deux mit Monica Fotescu-Uta dürften vielen Ballettfans in sehr guter Erinnerung sein – mit einer modernen Nummer unter dem passenden Namen „Ultimate Step“, die sein Tanzpartner Ricciardo De Nigris choreographiert hat (Ballett Augsburg).

Mir persönlich besonders gut gefallen haben auch eine äußerst lustige Schwanensee-Parodie (Ballett Dortmund) von Itzik Galili direkt nach der Pause, bei der alles schief zu gehen scheint, die aber ganz im Gegenteil mit schier unglaublicher Akrobatik daherkommt – oder der einfühlsame Pas de Deux „Broken Heart“ nach Musik von Al Green mit Maria Daniela Gonzalez Muñoz, von der auch die Choreographie stammt, und Osiel Gouneo (Bayerisches Staatsballett).

Startänzer des Abends sind Francesca Hayward, die bereits für die vorige Ballettgala angekündigt war, dazu aber absagen musste, und ihr Partner Marcelino Sambé vom Royal Ballet London mit zwei Auftritten sowie – direkt vor der Pause – Adiarys Almeida und Taras Domitro vom San Francisco Ballet mit Schwanensee-Interpretationen, die das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

Beteiligt an diesem vielseitigen Tanzabend sind auch Akteure vom English National Ballet, vom Ballet de l’Opéra de Paris, vom Ballet BC in Vancouver und vom NRW Juniorballett. Und natürlich nutzt auch Xin Peng Wang einen solchen Anlass für eine Werkschau aus den jüngsten Arbeiten am Ballett Dortmund. Zu sehen sind Choreographien aus Krieg und Frieden sowie aus Faust I und Faust II.

Nicht selbstverständlich ist, dass die Musik nicht aus der Konserve kommt, sondern dass die Dortmunder Philharmoniker sie unter der Leitung von Motonori Kobayashi aus dem Orchestergraben beisteuern. Das gilt zumindest für die klassischen Stücke. Die Musiker leben allerdings gefährlich, denn Heike und Ronny Hackelberg von den Ballettfreunden Dortmund gelingt es nicht immer, ihre vielen Blumensträuße über den Orchestergraben hinweg zielsicher auf die Bühne zu werfen. Manche Sträuße landen bei den Musikern im Graben. Die jedoch zeigen sich generös und werfen die Blumen in Richtung Bühne. Insgesamt ein schöner und gelungener Abend, der schon jetzt viel Vorfreude auf die Spielzeit 17/18 weckt.

Andreas Schröter

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