Sonntag, 18. Juni 2017

Messie oder Archivkünstler? „Stadtgespräche im Museum“ mit Linzer Autorin Evelyn Grill

Evelyn Grill. Foto: Lukas Beck
In der Reihe „Stadtgespräche im Museum“ geht es in diesem Jahr aus unterschiedlichen Perspektiven rund ums Sammeln. Gast bei der nächsten Veranstaltung am Donnerstag, 22. Juni, 18 Uhr ist die Schriftstellerin Evelyn Grill. Im Museum für Kunst und Kulturgeschichte liest die Linzer Autorin aus ihrem Roman „Der Sammler“. Der Eintritt ist frei, nach dem Vortrag darf diskutiert werden. Eine FM-Anlage steht kostenlos zur Verfügung.

„Das Sammeln geht der Wissenschaft immer voraus“, heißt es bei Adalbert Stifter. Doch der Held dieses Romans, Alfred Irgang, schließt seine Dissertation nie ab – weil er zu viel Material findet. Seine Suche weitet sich auf alle Lebensbereiche aus, was dazu führt, dass er sich in seiner Wohnung nur mehr mit einer Leiter bewegen kann, Keller anmietet und füllt und letztendlich mit dem Gesundheitsamt in Konflikt kommt. Der 2006 erschienene, in Mannheim spielende Roman verurteilt diesen Messie nicht, sondern nimmt jene (Literatur-)Wissenschaftler aufs Korn, die versuchen, den Wahrheitssucher, Konzept- und Archivkünstler wieder in die Normen des Lebens zu zwingen.

Die oberösterreichische Autorin Evelyn Grill, die lange in Freiburg im Breisgau gelebt hat, zählt zu der erlesenen Gruppe österreichischer Autoren, die sich in den Grenzbereichen der Normalität umtut. Sie ist bekannt für die konsequente fiktionale Erforschung bizarrer Charaktere. Der mit dem Otto-Stoessl-Preis ausgezeichnete Roman bietet die Gelegenheit, über die Psychologie des Sammlers zwischen Literatur und Obsession zu diskutieren.

Bei den nächsten „Stadtgesprächen“ am 6. Juli, 18 Uhr kommt Dr. Bernhard Lauer von der Brüder Grimm Gesellschaft aus Kassel und spricht über „Grimms Sammeln“.

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