Mittwoch, 14. Juni 2017

Pianist Chen Guang begeistert beim 9. Philharmonischen Konzert

Chen Guang. Foto: Lucy Jiao
Der erst 22-jährige chinesische Pianist Chen Guang war Star des 9. Philharmonischen Konzertes am Dienstag und Mittwoch im Konzerthaus. Wunderbar, wie er in Beethovens 1. Klavierkonzert (1795-1798) mit dem Orchester harmoniert. Sein harter Anschlag passt dabei durchaus zur Musik und zum Komponisten, von dem das Gerücht geht, er habe als junger Mann ebenfalls die Klaviere beinahe zerhämmert. Obgleich in dieser Musik zeitbedingt noch der Geist Mozarts zu erkennen ist, trägt sie auch schon die unvergleichliche Handschrift Beethovens.

Guang erntete am Dienstag für sein Spiel Beifallsstürme und Bravo-Rufe. Er bedankte sich mit einer Zugabe von Domenico Scarlatti.

Mit „sonnen_strahl“ war das Konzert übertitelt, befassten sich doch immerhin zwei der drei Stücke dieses Abends mit dem sonnigen Süden – und hier speziell mit Italien. Da ist zunächst Ottorino Respighis Reminiszenz an die Brunnen Roms, „Fontane die Roma“ aus dem Jahre 1916 – eine originelle und abwechslungsreiche Musik, in der man zuweilen das Wasserrauschen besagter Brunnen zu hören meint – gewohnt souverän und akzentuiert vorgetragen von den Dortmunder Philharmonikern. Kleiner Gag: Die leisen Kirchenglocken, die am Ende zu hören sind und der Komposition eine eigene – italienische – Atmosphäre geben, kommen aus dem Off hinter der Bühne, also aus den Gängen, durch die die Musiker immer die Bühne betreten. Respighi stand übrigens vor gar nicht langer Zeit schon einmal auf dem Spielplan des Orchesters: mit seiner „Königin von Saba“ zum Abschluss des 10. Philharmonischen Konzertes der vorigen Spielzeit im Sommer 2016.

Nach der Pause gab‘s die mitreißende 4. Sinfonie – die „Italienische“ – von Felix Mendelssohn Bartholdy mit vielen virtuosen Stellen, die das Orchester ebenfalls hervorragend meisterte. Mendelssohn Bartholdy hat diese Musik 1833 als ganz junger Mann auf einer Italien-Reise komponiert. Sie gilt heute bei manchen Experten als Reminiszenz an Goethe und Mendelssohns Lehrmeister Carl Friedrich Zelter. Beide waren kurz vor Vollendung dieser Komposition gestorben.


Dirigent des Abends war der Niederländer Otto Tausk (geboren 1970), der bereits vor rund fünf Jahren Gast der Dortmunder Philharmoniker war. Viele Musiker habe er wiedererkannt, sagte er gut gelaunt im Vorgespräch mit Orchestermanager Michael Dühn. Dafür habe es gar nicht vieler Worte bedurft. Musiker verstehen sich über die Musik, so Tausk.

Tausk schuf auch eine schöne Brücke zwischen dem Thema des Abends, „Italien“, und dem Konzerthaus. Die Innenwände des Saals seien aus italienischem Gips hergestellt, und deshalb sei die Akustik so gut.

Andreas Schröter

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