Sonntag, 9. Juli 2017

Theater im Depot: Rolf Dennemanns "Rosinenblues II" hätte mehr Zuschauer verdient

Rolf Dennemann (Mitte) mit den Musikern
Thomas Erkelenz und Gregor Hengesbach
Also, liebe kulturinteressierten Dortmunder, wie kann es denn bitte sein, dass zur Lesungs-Performance „Rosinenblues II“ mit dem Autor, Regisseur, Schauspieler und Artscenico-Chef Rolf Dennemann nur etwa 15 von Ihnen im Theater im Depot sind? Gut, ich gebe zu, es gäbe an einem lauen Juli-Samstagabend auch noch andere Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen. Aber dennoch: Diese Veranstaltung hätte deutlich mehr Publikum verdient gehabt.

Die Alltags-Geschichten des 1952 geborenen Rolf Dennemann sind wahr, kurzweilig und ganz einfach enorm witzig – zum Beispiel wenn er über seine abstrusen Erfahrungen in Krankenhäusern berichtet, über Alpträume mit ausgefallenen Zähnen, über prägende Kindheitserinnerungen an das Landleben, über den nicht mehr zurückzuhaltenden Drang, den alten Gitte-Schlager „Ich will nen Cowboy als Mann“ zu singen, auch wenn man ansonsten wenig mit Schlagern am Hut hat, über das Allgegenwärtige der Bratwurst oder wie schlimm es ist, in Gelsenkirchen aufzuwachsen. Tenor: „Die Gelsenkirchener sind alle Helden, weil sie es schaffen, in dieser Stadt auszuharren.“ Herrlich! 

Natürlich liest jemand wie Rolf Dennemann nicht einfach nur vom Blatt ab – auch wenn er allein das schon enorm ausdrucksstark und im richtigen Tempo tut. Er macht Geräusche nach, zum Beispiel Vogelgezwitscher oder das Schlürfen von Suppe, und spielt auf einem eigenartigen Instrument, das aussieht wie eine lange Papprolle mit einer Rassel in der Mitte: ein Alphorn für Arme.

Unterstützt wird diese Lesungs-Performance von den Musikern Thomas Erkelenz und Gregor Hengesbach, die immer dann besonders stark sind, wenn sie mit zwei Gitarren einfachen, ursprünglichen Blues spielen. Das passt hervorragend zu Dennemanns Geschichten mit ihren manchmal melancholischen Inhalten – etwa über die Einsamkeit. Da kann man gar nicht anders als mit dem Fuß mitzuwippen. Doch die beiden können auch zum Beispiel griechischen Sirtaki zu einer Geschichte über die deprimierenden Erfahrungen des Erzählers in einem Restaurant in Griechenland.

Insgesamt ein gelungener Abend.


Weitere Vorstellung: 8. Juli, 18 Uhr

Andreas Schröter

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