Sonntag, 3. September 2017

Cityring-Konzerte: "Do'Fusion" trotzt dem Regen mit wuchtigen Beats und sanften Streichern

Foto: Cityring
„Do’Fusion“, die „Groove Symphony“ bei den Cityring-Konzerten, scheint wettertechnisch unter keinem guten Stern zu stehen. Im vorigen Jahr musste die Pause wegen eines drohenden Gewitters vorgezogen werden (was dann aber immerhin dazu führte, dass bei der Lohengrin-Ouvertüre passenderweise dramatische Lichtblitze über den Himmel zuckten) – in diesem Jahr hielt sich eine einzelne Regenwolke stundenlang hartnäckig über dem Friedensplatz, während ein paar Kilometer weiter offenbar das schönste Wetter herrschte.

Die Veranstalter entschieden, das Konzert eine Dreiviertelstunde später beginnen zu lassen und dafür auf die Pause zu verzichten. Außerdem kamen die roten Regencapes, die Konzert-Initiator Dirk Rutenhofer vom Cityring eigentlich schon fürs nächste Jahr hatte
Regencapes im Einsatz. Foto: Schröter
einmotten wollen, doch noch zum Einsatz. Sämtliche Mitarbeiter (egal ob Chef oder Aushilfskraft) bewaffneten sich mit Lappen und wischten an diesem Samstag mehrfach die 3000 Sitzplätze trocken. Dafür – und für die Regencapes – gebührt ihnen großes Lob. Als das Konzert um 20.45 Uhr begann, hatte der Regen aufgehört, und teilweise waren später sogar die Sterne zu sehen.

Das Konzert selbst hat mir diesmal wesentlich besser gefallen als im vorigen Jahr – weil das Miteinander von Dortmunder Philharmonikern unter dem Dirigat von Ingo Martin Stadtmüller und den vier beteiligten DJs wirklich ein Zusammenspiel war. Im
Dirigent Ingo Martin Stadtmüller (l.) und die
beteiligten DJs. Foto: Cityring
vorigen Jahr hatten sich Philharmoniker und DJs abgewechselt, diesmal waren sie die ganze Zeit gemeinsam auf der Bühne und spielten auch gemeinsam. Matthias Grimminger hat sich das ausgedacht.

Dabei nahm der Abend eine deutliche Kurve nach oben – wurde immer besser. Hatte es DJ eeph mit seinen soften, teil minimalistischen Klängen anfangs noch schwer, dem Publikum einzuheizen, wurde das bei der düsteren Musik von DISPENS besser und steigerte sich weiter mit DJ Dash,
Die Dortmunder Philharmoniker hier im
Zusammenspiel mit DJ Dash. Foto: Schröter
der ganz anlog mit Plattenspielern und Scratch-Technik unterwegs war. Höhe- und Schlusspunkt war sicherlich der Auftritt von DJ Larse. Bei ihm kam das Zusammenspiel zwischen wuchtigen Beats und sanften Streichern am besten zur Geltung. Und genau dieser Kontrast bildet ja den Reiz, der in einer solchen Gemeinschaft von elektronischer Musik und einem großen Orchester liegt.

Übrigens kamen angesichts des Wetters noch überraschend viele Besucher auf den Friedensplatz. Schirmherr OB Ullrich Sierau scheint recht zu haben, wenn er in seiner Begrüßung sagt: „Die Dortmunder sind ein bisschen stur. Wenn sie sich in den Kopf gesetzt haben, etwas Bestimmtes zu tun, dann tun sie das auch.“ Dennoch blieben natürlich sehr viele Sitze frei. Die Veranstalter sollten überlegen, für einen solchen Fall weniger Stühle aufzustellen, damit die Zuhörer dichter und konzentrierter vor der Bühne sitzen. Denn wie ich seit Samstag durch einen zwischenzeitlichen Sitzplatzwechsel weiß: Vorne nahe an der Bühne ist das Konzerterlebnis wesentlich intensiver als irgendwo weit hinten inmitten leerer Stuhlreihen.

Insgesamt lässt sich sagen: Die Cityring-Konzerte haben durchaus ihren ganz speziellen Reiz und sind eine Aufwertung des kulturellen Jahrs in Dortmund: Zwar ist die Akustik im Konzerthaus (natürlich) deutlich besser als open air auf dem Friedensplatz, dafür kann man sich zwischendurch ganz locker eine Currywurst holen oder einen Wein trinken. Und zumindest das mit der Currywurst geht im Konzerthaus nicht.

Andreas Schröter

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